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18.12.2017

Tausende MTRA fehlen: Bayerisches Modellprojekt stemmt sich seit fünf Jahren erfolgreich gegen den Mangel

Die Patientenversorgung gerät zunehmend in Gefahr: in Deutschland fehlen tausende Medizinisch-technische Radiologie-Assistenten (MTRA). Jede fünfte Stelle kann nach Angaben von Berufsverbänden schon heute nicht mehr besetzt werden, auch weil der attraktive Beruf an der Schnittstelle von Mensch, Medizin und High-Tech kaum bekannt ist. Ein bundesweit einzigartiges Modellprojekt in Ostbayern geht seit fünf Jahren erfolgreich neue Wege bei der Nachwuchs-Suche - und könnte bundesweit Schule machen. Zum Jubiläum ziehen die Initiatoren Bilanz.

Regensburg - Deutschland steuert, bisher unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, auf einen dramatischen Fachkräftemangel bei den Medizinisch-technischen Radiologie-Assistenten zu. Schon heute kann in der Bundesrepublik jede fünfte Stelle in diesem Bereich nicht mehr besetzt werden, wie ein Gutachten des Deutschen Krankenhaus-Instituts vorrechnet. Die Zahl der Absolventen in dem entsprechenden Ausbildungsberuf - dem MTRA - ist nach Angaben von Berufsverbänden in den vergangenen Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen, während der Bedarf in Krankenhäusern steigt. Der größte private bayerische Weiterbildungscampus, die Eckert Schulen mit Sitz in Regenstauf bei Regensburg, erkannten den drohenden Mangel frühzeitig: Bereits vor fünf Jahren initiierten sie gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Regensburg und dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg ein Modell, das neue Wege geht bei der Nachwuchsgewinnung: mit einem Kooperationsmodell, das auch bundesweit Schule machen könnte. "Die steigenden Absolventenzahlen belegen den Erfolg", sagt Antonie Roggenbuck, die die Berufsfachschulen für medizinische Assistenzberufe an den Eckert Schulen leitet. 

Die Röntgenschwester von einst gibt es schon lange nicht mehr. Das Berufsbild derjenigen, die in Praxen und Behandlungszimmern dafür verantwortlich sind, dass Mediziner anschließend den richtigen "Durchblick" haben, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Innovative neue Technologien haben den MTRA zu einem anspruchsvollen und interessanten Beruf an der Schnittstelle zwischen Mensch, Medizin und High-Tech gemacht. Für die medizinische Versorgungsstruktur in Deutschland sind MTRA essenziell: "Ohne MTRA keine Diagnostik - ohne Diagnostik keine Therapie - und ohne Therapie keine Heilung", bringen es Brancheninsider auf den Punkt. 

Absolventenzahlen sind alarmierend zurückgegangen
Etwa 30.000 solcher Spezialisten gibt es heute in Fachpraxen und Krankenhäusern, die meisten davon weiblich und mehr als ein Drittel über 50 Jahre alt, wie der Deutsche Verband der Technologen und Analytiker in der Medizin festgestellt hat. Auf die Pensionierungswelle, die in den nächsten Jahren anrollt, ist Deutschland nicht vorbereitet. Kleinere Krankenhäuser in Deutschland könnten ihr Angebot im Bereich Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin schon heute nicht mehr aufrechterhalten, sagt Anke Ohmstede, Präsidentin des Dachverbands für Technologen und Analytiker der Medizin Deutschland für die Fachrichtungen Radiologie/Funktionsdiagnostik. "Selbst in vielen größeren Städten gibt es Probleme, Stellen zu besetzen", sagt sie. Die Absolventenzahlen sind alarmierend gesunken: Sie fielen seit Mitte der neunziger Jahre von rund 2.300 auf weniger als 1.400 Berufseinsteiger pro Jahr. 

Bundesweit sucht die Branche nach Lösungen, um Nachwuchs für die betroffenen Abteilungen zu gewinnen. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Das Land lässt seit 2017 Radiologie-Assistenten aus Polen, Serbien oder Kroatien für eine Art "Anpassungskurs" zu, damit diese in Deutschland beschäftigt werden können. Denn deren eigentliche Berufsabschlüsse genügen deutschen Vorschriften nicht. "Auch an den Eckert Schulen wird dieser Ansatz in Abstimmung mit den zuständigen Behörden in die Tat umgesetzt", sagt Schulleiterin Antonie Roggenbuck.

In Regensburg hat Bayerns führendes privates Bildungszentrum, die Eckert Schulen, gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Regensburg und dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder vor fünf Jahren eine Ausbildungsinitiative für Ostbayern gestartet. Ziel: den MTRA-Nachwuchs für die Zukunft sichern. Die Spezialisten in spe absolvieren bei diesem Modell den praktischen Teil ihrer dreijährigen Ausbildung direkt in renommierten Kliniken, einen Großteil der Kosten können sie über Praktikumsvergütungen finanzieren und nach der Abschlussprüfung winkt bundesweit eine Vielzahl an attraktiven Jobangeboten. Der Erfolg bestätigt die Initiatoren: 2017 schlossen zehn MTRA die Ausbildung erfolgreich ab, 2018 werden es bereits 12 Absolventen sein und 2019 rechnet Schulleiterin Roggenbuck mit 16 neuen MTRAs. 
 
Eckert-Ausbildungsinitiative: MTRA-Kompetenzzentrum für ganz Ostbayern
Die beiden beteiligten Regensburger Kliniken sind vom Kooperationsmodell begeistert: "Für uns ist es ein optimaler Weg, Nachwuchs in der Region zu gewinnen, den wir langfristig an uns binden können", sagt Prof. Dr. Christian Stroszczynski, der Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik am Universitätsklinikum Regensburg. Prof. Dr. Niels Zorger, Chefarzt des Instituts für Radiologie und Neuroradiologie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, ergänzt: "Es wird im Moment viel zu wenig ausgebildet, mit diesem neuen Modell wirken wir dem drohenden Mangel aktiv entgegen." 2019 und 2020 wird nach aktuellem Stand fast die Hälfte aller Absolventen aus Partnerschaften mit verschiedenen Krankenhäusern stammen. Die Eckert Schulen, die gerade im Bereich der medizinisch-technischen Ausbildungen bayern- und bundesweit mitführend sind, wollen diesen Schwerpunkt in den kommenden Jahren weiter ausbauen. "Auch Kooperationen mit weiteren Kliniken sind für uns vorstellbar", so Roggenbuck. Der nächste Jahrgang startet am Campus Regenstauf im September 2018. 

Die Patientenversorgung gerät zunehmend in Gefahr: in Deutschland fehlen tausende Medizinisch-technische Radiologie-Assistenten (MTRA). Jede fünfte Stelle kann nach Angaben von Berufsverbänden schon heute nicht mehr besetzt werden, auch weil der attraktive Beruf an der Schnittstelle von Mensch, Medizin und High-Tech kaum bekannt ist. Foto: Eckert Schulen/Fotolia


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